WARUM STIHL.

„Was die Genauigkeit der Drehzahl angeht, können da allenfalls Formel-1-Motoren mithalten.“

Herr Professor Bargende, Sie waren lange Motorenentwickler bei Daimler, kennen sich also aus mit großen, PS-starken Motoren. Ihr Lehrstuhl pflegt aber auch seit mehr als 20 Jahren eine enge Kooperation mit STIHL: Sie veranstalten regelmäßig Exkursionen ins Werk, betreuen externe Masterarbeiten und haben den Entwicklungsvorstand Wolfgang Zahn eingeladen, eine Vorlesung an Ihrem Institut zu halten. Wie fühlt sich das an, nach Acht- oder Zwölfzylindern mit 500 oder 600 PS plötzlich über kleine Kettensägenmotoren nachzudenken?

Bargende: Als Abstieg habe ich das nie empfunden. Warum auch? Das Prinzip ist bei einem Kettensägenmotor im Grunde dasselbe wie bei einem Ferrari-Zwölfzylinder: Meist sind es allerdings Zweitakter mit einem Zylinder.

Die Ansprüche an den Antrieb eines 50000 Euro teuren Wagens sind doch aber nun mal zwangsläufig höher, oder.

Das kann man so nicht sagen. Gerade das Preisniveau sorgt dafür, dass die Entwickler einer Motorsäge mit enormen Problemen zu kämpfen haben. Denn der Kostendruck bei einem Handheld-Gerät, das maximal einige hundert Euro kosten darf, ist viel größer als bei einem Fahrzeugmotor. Die Benzin-Direkteinspritzung, die STIHL als weltweit erster Hersteller demnächst bei einem Modell auf den Markt bringt, war kostenmäßig eine ziemlich sportliche Aufgabe. Es hat lange gedauert, das hinzukriegen. Aber sie haben es geschafft.

Professor Bargende in der Entwicklung bei STIHL.

Ist der Innovationsdruck bei Motorsägen wirklich so groß?

Er ist genauso hoch wie in der Automobilindustrie – und doch nicht der gleiche. Die Rahmenbedingungen sind halt andere. Bei einer Motorsäge sind beispielsweise die Anforderungen an die Vibrationsfreiheit viel höher. Sie müssen das Gerät mit bis zu zehn Kilo Gewicht ja die ganze Zeit in der Hand halten. Den Motor so auszutarieren, dass der Forstarbeiter die Säge komfortabel in der Hand halten kann, ist eine enorme Herausforderung. In punkto Schwingungen gibt es nämlich nichts Furchtbareres als einen Einzylindermotor.

Das klingt in der Tat anspruchsvoll.

Ein Motor in einem Daimler kommt im roten Drehzahlbereich vielleicht auf 8000 Touren, ein Motorsägen-Aggregat bringt es auf bis zu 15000 Touren – und bei jeder Umdrehung muss der Zündfunke zum definierten Zeitpunkt kommen. Wenn man die diesbezüglichen Anforderungen mit Automotoren vergleicht, kann allenfalls ein Formel-1-Motor mithalten.

Professor Bargende mit ausgestellten Motoren.

Dann haben Sie daheim bestimmt auch STIHL Geräte.

In meinem Garten stehen keine Bäume, für die sich eine Motorsäge lohnen würde. Und der Elektro-Rasenmäher, den ich mir gekauft habe, ist unglücklicherweise von der Konkurrenz. Bei STIHL Geräten muss ich also passen. Aber glauben Sie mir: Da habe ich mir von Wolfgang Zahn schon einiges an Kritik anhören müssen, obwohl es den Mähertyp, den ich wollte, von STIHL gar nicht gab.